Die Situation im San Siro ist eine der chaotischsten bei einem großen europäischen Verein in diesem Sommer. Nach der Entlassung von Massimiliano Allegri hat der Verein monatelange Gespräche mit Kandidaten wie Glasner, Rangnick und Mauricio Pochettino geführt -- ohne zu einer definitiven Antwort auf einen von ihnen zu kommen.
Laut La Gazzetta dello Sport, nahm Glasner Anfang dieser Woche an einem sechsstündigen persönlichen Treffen mit Eigentümer Gerry Cardinale und Vereinsberater Zlatan Ibrahimović teil. Er kam, nachdem er den Kader im Detail studiert hatte, präsentierte seine Vision, wie die Mannschaft spielen würde, und verließ das Treffen zuversichtlich, vor Ende der Woche einen weiteren Anruf zu erhalten. Gianluca Di Marzio beschrieb Glasner als "den Trainer, der dem Job am nächsten ist", wenn man ihn heute fragen würde.
Rangnicks Position ist bedingter. Der Trainer der österreichischen Nationalmannschaft nahm an einem separaten Treffen mit Cardinale teil und stellte seine Bedingungen klar: Er würde als technischer Direktor mit vollen Befugnissen kommen und sein eigenes vertrauenswürdiges Personal in die sportliche Struktur einbringen, darunter Johannes Spors als Sportdirektor und Christopher Vivell als Chefscout. Für Rangnick ist dies keine Trainerrolle -- es handelt sich um eine institutionelle Umstrukturierung.
Diese Forderung stieß auf Widerstand. Di Marzio stellte fest, dass Rangnicks Anforderungen "mit Ibras Wünschen kollidieren", wobei Ibrahimović -- technisch gesehen ein Berater von RedBird Capital und nicht ein Mitarbeiter von Milan -- entschlossen ist, Einfluss auf sportliche Angelegenheiten zu behalten.
Die Spannung zwischen Rangnicks Forderung nach einer sauberen Betriebsstruktur und Ibrahimovićs fortwährender Beteiligung wird in mehreren italienischen Berichten als das zentrale Hindernis beschrieben.
La Gazzetta berichtete, dass Rangnick eine Frist bis Anfang nächster Woche gesetzt hat. Österreich trifft am 17. Juni in ihrem WM-Eröffnungsspiel auf Jordanien, und die Verbände wollen Klarheit, bevor das Turnier beginnt. Wenn Milan sich nicht verpflichtet, hat Rangnick signalisiert, dass er stattdessen seinen Vertrag mit Österreich verlängern wird.
Wenn Rangnick geht, öffnet sich der Weg für Glasner als Cheftrainer. Aber ohne den strukturellen Reset, den Rangnick gefordert hätte, würden die organisatorischen Probleme, die zur Entlassung von Allegri beigetragen haben -- Mangel an einem ordentlichen Sportdirektor, unklare Autoritätsstrukturen -- ungelöst bleiben.
Das Backup-Paar Ramón Planes als Sportdirektor und Pochettino als Cheftrainer bleibt auf dem Tisch, obwohl die Beteiligung letzterer mit der US-amerikanischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft den Zeitrahmen kompliziert.
Für einen Verein mit der Geschichte und Ambition von AC Milan ist dieses Maß an institutionellem Drift bis in den Juni kein gutes Zeichen. Der Sommer hat begonnen. Die Uhr tickt. Eine Entscheidung kann nicht mehr lange warten.
