Kosicke ist seit vielen Jahren Teil von Klopps innerem Kreis und hat ihn bei jeder neuen Station begleitet, einschließlich seines Wechsels, um den erfolglosen Julian Nagelsmann als Bundestrainer Deutschlands zu ersetzen, Anfang dieses Jahres. Was genau seine Rolle beim DFB tatsächlich beinhaltet, scheint jedoch umstritten zu sein.
Bei Klopps Vorstellungspressekonferenz beschrieb der Verbandspräsident Bernd Neuendorf die Vereinbarung als eine "externe Beratungsbeziehung", während Klopp selbst Kosicke als "meinen Assistenztrainer für Strategie, Entwicklung und Innovation" vorstellte.
Die genaue Natur des Jobs ist seitdem nicht klarer geworden, da der DFB nun weitere Details zur Geschäftsbeziehung trotz mehrerer Medienanfragen ablehnt, so eine Untersuchung der Süddeutschen Zeitung.
Der Bericht der Zeitung legt nahe, dass die Kosicke-Situation echte Compliance-Probleme für den deutschen Fußballverband schaffen könnte. Trotz seiner offiziell externen und vage definierten Rolle hat Neuendorf gesagt, dass der ehemalige Berater, wie sich Kosicke jetzt selbst beschreibt, "offene Türen bis zu meinem Präsidialbüro" hat, was ihm erheblichen Einfluss innerhalb des Verbands verleiht.
Laut Süddeutsche Zeitung, hat Kosickes berufliche Verbindungen im Fußballgeschäft tiefe Wurzeln und umfasst mehrere Unternehmen mit einem klaren Interesse daran, gute Beziehungen zum DFB aufrechtzuerhalten, und die finanziell davon profitieren könnten. Es ist nicht umsonst, dass Bayern Münchens Patriarch Uli Hoeness bereits von einer "freundlichen Übernahme" des Verbands gesprochen hat.
Unter den undurchsichtigen Verbindungen: Kosicke hält zusammen mit Klopps Sohn Marc Anteile an der Onside Sports GmbH, einem der Marktführer in der Organisation von Freundschaftsspielen und Trainingslagern, deren Kundenliste zahlreiche Bundesliga-Clubs und große internationale Mannschaften umfasst, darunter Klopps ehemalige Mannschaft Liverpool.
Der DFB wollte der Zeitung nicht mitteilen, ob er ausschließen könne, dass eines seiner Nationalteams die Dienste des Unternehmens in Anspruch nimmt.
Kosicke hält auch Anteile am Marketinggiganten Sportfive und besitzt die Beratungsfirma Projekt B. Der ehemalige Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff war einst ebenfalls Teil dieser Firma, musste jedoch aufgrund "intensiver Compliance-Debatten" zurücktreten, als er zum DFB-Direktor ernannt wurde. Auffällig ist, dass der Beratungsvertrag des DFB nicht persönlich mit Kosicke, sondern mit dem Unternehmen selbst unterzeichnet wurde.
Der Verband versuchte, diese Bedenken in einer Stellungnahme gegenüber dem Münchner Merkur im August zu adressieren: "Um sowohl ihn als auch den Verband vor dem Verdacht eines Interessenkonflikts aufgrund früherer oder aktueller Tätigkeiten zu schützen, agiert er aus einer externen und beratenden Rolle."
Ob das Bestand hat, bleibt eine offene Frage.
